
| Zu den fatalen Folgen des Dreißigjährigen Krieges gehörte, neben dem Niedergang der Wirtschaft – und damit auch des Brauwesens – ein gravierender Bevölkerungsrückgang. Die Regierung beschloss daher, Einwanderer ins Land zu „locken“, damit sie beim Wiederaufbau helfen und die Wirtschaft wieder ankurbeln.Unter den vielen Handwerkern, Geschäftsmännern und Kaufleuten, die hier in die Region kamen, befand sich auch der Bierbrauer Kilian Francois Mathieu Servantaine aus dem heutigen Belgien. Er gründete 1654 in Miltenberg eine Brauerei – die Löwenbrauerei. Zuerst richtete er seine Brauerei gegenüber vom Gasthaus zum Riesen ein, zog aber schon sechs Jahre später ins Schwarze Viertel, wo er ein „wüst Haus“ erwarb und neu aufbaute. | ![]() Gründungsurkunde der Brauerei von 1654 | |||||||
| Kilian Franzmathes – sein Name wurde inzwischen eingedeutscht – erhielt das Schildrecht für eine öffentliche Wirtschaft. Er nannte sie „Zum Weißen Löwen“. Die Auflagen waren sehr streng, so dass ihm das Recht zunächst nur für drei Jahre genehmigt wurde.Doch die Löwenbrauerei und die Wirtschaft gingen gut. So gut sogar, dass Kilian Franzmathes’ Sohn das Nachbarhaus hinzukaufen konnte. Er übernahm die Brauerei nach dem Tod seines Vaters im November 1704. | ||||||||
| Die Brauerei wechselte oft die Besitzer. Im Jahr 1825 übernahm Georg Anton Krug die Löwenbrauerei und brachte sie auf den „neuesten Stand der Technik“. Er installierte als erster in der Region eine Dampfmaschine und baute eine eigene Wasserleitung vom Main in die Brauerei. Sein Sohn August war einer der Anführer der freiheitlichen Bewegung und musste aus diesem Grund 1849 nach Amerika fliehen. Sein Vater folgte ihm ein Jahr später. Sie gründeten in Milwaukee eine Brauerei, die spätere Schlitz-Brauerei, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorübergehend zur zweitgrößten Brauerei der Welt entwickelte. | Ausleger der Gaststätte "Zum weißen Löwen" um 1800 | |||||||
![]() Johann Adalbert Faust | Nach der „Krug-Ära“ kam es erneut zu zahlreichen Übernahmen und Verkäufen, bis 1872 drei Gesellschafter die inzwischen ziemlich herunter gekommene Löwenbrauerei erwarben und 1875 den Küfer und Braumeister Johann Adalbert Faust einstellten. Dieser schaffte es nicht nur den Brauereibetrieb wieder auf Vordermann zu bringen, sondern kaufte auch nach und nach den Gesellschaftern alle Anteile ab. | |||||||
| Ab 1895 führte Johann Adalbert Faust als Alleininhaber die Löwenbrauerei – tatkräftig unterstützt von seiner Frau und seinen Kindern. Die Löwenbrauerei war die größte der sechs einheimischen Brauereien, obwohl zwei große Unglücke schwere Schäden verursacht haben: 1894 brannte die Fasshalle aus und 1913 stürzte der neu angelegte Eisweiher auf das Brauereigebäude und die Nachbarhäuser. | ||||||||
![]() Gottfried Faust | Johann Adalbert Faust übergab die Brauerei seinem Sohn Gottfried, der es verstand, sie mit viel Geschick durch die schwere Zeit der Inflation und durch die Weltwirtschaftskrise zu führen. | |||||||
| Gottfried Fausts Ehe blieb kinderlos. Daher nahm er 1926 seinen Bruder Carl als Teilhaber ins Geschäft auf. Elf Jahre später übernahm Carl Faust die alleinige Geschäftsführung. Er wurde von seinem Bruder Hermann unterstützt, der sich vor allem um den kaufmännischen Bereich kümmerte. Die Jahre des Dritten Reichs brachten zunächst wirtschaftlichen Aufschwung. Doch während des Zweiten Weltkrieges und noch in den ersten Jahren danach sank der Bierausstoß auf sein niedrigstes Niveau seit der Brauerei-Übernahme von Johann Adalbert Faust. |
| |||||||
![]() Hans-Hermann Faust | Carl Fausts Sohn Hans-Hermann musste schon während des Zweiten Weltkrieges im Alter von 15 Jahren tatkräftig mithelfen, den Betrieb aufrecht zu erhalten, da sein Vater nochmals eingezogen wurde. Später studierte er in Weihenstephan Brauwesen und trat, nachdem er zunächst noch in anderen Brauereien Erfahrungen gesammelt hat, 1952 in den Familienbetrieb ein. | |||||||
| Gottfried Faust kam wie sein Bruder Hans-Hermann als erfahrener Diplomingenieur in den Betrieb zurück. Mit seinem Eintritt 1956 übernahm die dritte Faust-Generation die Unternehmensführung. In dieser Zeit gab es eine deutliche Aufwärtsentwicklung in der Brauwirtschaft, bis Ende der 60er Jahre eine Sättigung des Biermarktes eintrat. Es begann ein verschärfter Preiswettbewerb. Viele Brauereien fingen an, kostengünstiger zu brauen, was sich jedoch nicht nur im Preis, sondern auch in der Qualität bemerkbar machte. Für die Familie Faust, die immer großen Wert auf erstklassige Bier-Qualität legte, kam das nicht in Frage. So mussten in den 70er Jahren beachtliche Einbußen in Kauf genommen werden. Doch mit gutem Marketing, neuen Verkaufsstrategien und noch verbesserter Qualität konnte das Brauhaus Faust die Bier-Genießer überzeugen. Seit 1980 verzeichnet die Brauerei ein stetes Wachstum. | ![]() Gottfried Faust | |||||||
![]() | Bereits seit Ende der 60er Jahre wurde das Bier unter dem Namen „Faust“ angeboten, der sich in der Region zu einem bekannten Markennamen entwickelte. Daher war es nur konsequent die „Löwenbrauerei Miltenberg“ in „Brauhaus Faust zu Miltenberg“ umzubenennen. | |||||||
| Das Brauhaus Faust übernahm die Kunden der still gelegten Brauerei Etzel in Amorbach.Dieser Zuwachs zeigte sich sogleich auch im Bierausstoß des Brauhaus Faust: 1995 wurde zum ersten Mal die 40.000 hl-Marke erreicht. | ||||||||
![]() Johannes und Cornelius Faust | Seit 1996 führen Dipl. Ing. Cornelius Faust und Dipl. Betriebswirt Johannes Faust die Brauerei in Alleinverantwortung. Seit Beginn der 1990er Jahre wurde konsequent in innovative Technik investiert, wobei vor allem die Jahrhunderte alte Brautradition und die ökologische Verträglichkeit Berücksichtigung fanden. Heute sind alle Betriebsteile auf modernstem Stand, wie z.B. die automatische Flaschen- und Fassabfüllung, das Sudhaus mit Energiesparkonzept, die Filtration sowie der Drucktank- und Lagerkeller. Daneben wurde auch in neue Angebotsformen investiert: seit 1997 gibt es das praktische 12,5 l Faust Keggy-Fass und seit 1999 die beliebte Bügelverschlussflasche. | |||||||
| Als erste von über 300 Brauereien in Franken führte das Brauhaus Faust 1997 das nach der EU-Öko-Audit-Verordnung zertifizierte Umweltmanagement-System ein. Dafür wurde dem Brauhaus Faust 2002 der erste Umweltpreis des Landkreises Miltenberg und die Bayerische Umweltmedaille verliehen! Seit 2002 macht das Brauhaus Faust mit einem neuen, originellen Werbeauftritt auf die verschiedenen Bier-Spezialitäten aufmerksam. Dabei stellt das Brauhaus Faust (selbst)bewusst seine Regionalität mit amüsanten, übertriebenen und ironischen Aussagen in den Mittelpunkt. Die enge Verbindung zur Heimat und damit die Möglichkeit besonders hochwertige Bierspezialitäten zu brauen, kommt in überspitzten Vergleichen zwischen „woanders“ und„hier“ zum Ausdruck. | ![]() Umweltminister Schnappauf bei der Verleihung der bayerischen Umweltmedaille | |||||||
| 350 Jahre sind vergangen, seit der Belgier Kilian Franzmathes seine Löwenbrauerei in Miltenberg gründete. Jahre mit einer wechselvollen Geschichte. Doch seit über 100 Jahren – seit die Brauerei im Besitz der Familie Faust ist – gilt die erfolgreiche Philosophie: beste Bier-Qualität und erstklassiger Geschmack für die Region! Und so wird es bestimmt auch noch die nächsten 350 Jahre sein. | |||||||
| | ||||||||
| Unserem Qualitätsanspruch und unserer Liebe zur Heimat sind wir weiter treu geblieben und bleiben es auch in Zukunft. Dies zeigt unter anderem der Preis der Besten in Gold , den das Brauhaus regelmäßig für langjährige hervorragende Leistungen erhält. Unser Engagement für die Region haben wir weiter ausgebaut und das Faust Kulturnetz , die Faust Freizeit-Angebote und die Faust Gastro-Akademie ins Leben gerufen. |

















